ACTA ANTIQUA TOMUS 18 (A MTA KLASSZIKA-FILOLÓGIAI KÖZLEMÉNYEI, 1970)

1970 / 1-2. sz. - ZS. RITOÓK: Die Homeriden

y.S. R1TOÓK die ÔQysôjveç ihre Abstammung nicht auf einen gemeinsamen Ahnen zurück­geführt; nur der gemeinsame Kult irgendeines göttlichen Wesens oder eines Heros verband sie zu einer Gemeinschaft.20 Dagegen weiß man von den Hoine­riden eben auf Grund von Angaben aus dem fünften Jahrhundert, daß sie ihre Abstammung auf Homer, als auf ihren gemeinsamen Ahnen zurückgeführt hatten. Man kann also unter Homeriden nur eine Geschlechtsorganisation verstehen, und nicht einen unsicheren Kreis von Verehrern, der sich aus Pri­vatleuten zusammensetzt. Ferner: der Dialog'Ion' ist eines von Piatons frühe­sten Werken, wenn nicht das allererste überhaupt; seine Entstehungszeit ist also vom fünften Jahrhundert nicht sehr weit enfernt. Unsere Angaben aus dem fünften Jahrhundert kennen die Homeriden nur als ein Geseclilecht von Chios, oder als Rhapsoden. Es ist kaum wahrscheinlich, daß Piaton dasselbe Wort in einem anderen Sinne benutzt hätte, als es im fünften Jahrhundert gebräuchlich war. In dieselbe Richtung verweist auch die 'Phaidros'-Stelle. Piaton kann nur in dem Falle von ânôdeта ёлг) sprechen, wenn er dabei nicht an einen unsicheren Kreis von Verehrern, sondern an eine Gesellschaft mit festen Orga­nisationsformen denkt.21 Denn es gibt ja doch nur zwei Möglichkeiten. Hat Piaton seine eigenen Worte völlig ernst genommen - wie dies Allen und Thom­son vermuten22 —, dann muß man den Ausdruck ánóOeта Ыг\ als eine Angabe akzeptieren; und das ànoxiOévai kann doch nur das Ergebnis der Tätigkeit einer geschlossenen Gesellschaft sein. Oder hat Piaton ironisiert — wie dies Wilamowitz und vor ihm schon Welcker vermutet hatten23 — , so hat die Ironie nur dann einen wahren Sinn, wenn sie sieh gegen einen geschlossene Kreis richtet. Denkt sich jedoch Piaton die Homeriden als eine geschlossene Gesell schaft, ja als ein Geschlecht, so können diese nur die Homeriden von Chios sein. Man weiß ja nichts darüber, daß die Homer-Erklärer ein Geschlecht gebildet hätten. Selbst Wilamowitz gibt zu, daß im 'Ion' vom Geschlecht in Chios die Rede ist. Hat man jedoch über zwei Platon-Stellen wahrscheinlich machen können, daß diese auf die Homeriden von Chios anspielen, so liegt kein Grund und Anlaß vor, an der dritten Platon-Stelle dasselbe Wort in einem anderen Sinne zu verstehen, obwohl es selbstverständlich zugegeben werden muß, daß an dieser dritten Stelle der Text selber auch die Auslegung 'Homer-Verehrer' zuläßt. Man könnte einwenden, daß Platon vielleicht in demselben ironischen Sinne das Geschlecht der Homer-Verehrer oder Erklärer erwähnt, wie bei ihm 2UE. ZIEBAKTH: RE XVIII, 1024 — 5. s.v. Über ihren Ursprung neuerdings N. G. L. HAMMOND: Land Tenure in Athens and Solon's Seisachtheia JHS 81 (1961) 80 — 2, 95-6. 21 H. T. WADE-GEBY: The Poet of the Iliad. Cambridge 1952. 71 Anm. 50. 22 ALLEN: a. VV. 44.; G. THOMSON: Studies in Ancient Greek Society. The Pre­historic Aegean. London 1949. 550. 23 WILAMOWITZ: IUH 366, Anm. 4; WELCKER: a. W. 174. 6 .-leia Antiqua Arademiae Scientiarum Hungaricae IS, 1970

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