Oedenburger Zeitung, April 1913 (Jahrgang 45, nr. 74-99)

1913-04-01 / nr. 74

ö XLVJahrgang Gedenliurgerzetku »Holitiides Tagblatt. reis: 7 Seller. Prännumerntionspreife: #är Lofo: Be 22 K, a \ K, vierteljährig K 50 h, monatlich 1 K 90 Für uewärıs; Ganzjährig 26 K, ee 13 K, vierteljährig 6 K 50 h, monatlih 2 K 30 h. Dienstag, 1. April 1913 Adminiftration und Verlag: Bucdrukerei Mlfred Nomtalter, Grabenrunde 1i., Telepbon Ar. 25. Preis : 7 Seller. Inferate nach Tarif. Derfelbe wird auf Wunsch überallhin gratis und franfo verfenbet, BUSEREREREENGE, Abonnementd- und Anfertiondger bühren find an die Adminiftration (Grabenrunde 121) einzujenden Vermittlung durch alle Annoncenbureang. Die Kanonen — fpreden. Sopron 31. März. Bor Sfutari dröhnt der Kanonen: donner. Tagelang hatder Vertreter Ruß­­lands auf die Drderd feiner Wegierung marten wüffen, bevor die von der Bot: fchafterreunion befchlojjene Demarche in GSetinje unternommen werden fonnte. Endlich ift fie am Freitag erfolgt. Am Samötag erflärt König Nilita, daß er behufs Antmorterteilung die Angelegenheit einem Minijterrate vorlegen und jich mit feinen. Verbündeten ins Ginnernehmen jegen müfje und faft zur Stunde genau, da diefe Hinauszögernde Antwort erteilt wird, gibt der König der Schwarzen Berge feine wirkliche Abficht fund, Durd) den Mund der Kanonen zeigt er, daß der far ausgefprochene Wille Guropas für ihn nichts, abjolut gar nichts bedeutet, daß er, der Herr über wenige Quadrat: meilen Landes ic) mehr dünft, al3 die jech8 Großmädte zufammen. Wohl nocd) nie ift e3 gemagt worden, Guropa jo offen zu verhöhnen, den Willen des ganzen Groteils jo bedenkenlos zu brüsfieren, den Forderungen der Raifon jomohl, wie der Kultur und Menfchlichkeit jo ohne Skrupel ein „Schachmatt“ anzufagen — mie e3 nun König Nikita von Montenegro wagt. Zmei Momente find e8 vor allem, die in der Sfutari-Affäre einer näheren Beleuchtung bedürfen und die fi als ragen fofort einem jeden aufdrängen: Welches ift die Gefamtheit der Momente die König Nikolaus zu dem fchier ıwahn­­wißig erfcheinenden Schritte veranlaßt haben Ffönnen und melche Folgen fann dies Vorgehen für die gefamte internatio­­nale politifche Lage und den Frieden Europas haben? Die erite diefer Fragen ift troß der mehrfachen Wurzeln des Problems, das eigentlich — gar feines ift, leicht zu be: antworten. Bereits am Dienstag hatte die Botjchafterfonferenz in London be- Ichlojfen, foforteine Demarche in Cetinje zweds Abzuges der Zivilbevölferung und Ginitellung des Bombardements von Sfutari zu veranlajjen. &3 vergingen aber drei volle Tage, bevor man in Petersburg fich entjchloß, Die entjprechen­­den Aufträge Hinauszugeben, drei Tage hochit peinlicher Spannung, da abjolut "ht einzufehen war, welchen Grund man »r Güngerbrüde haben fönne, Die » der übernommenen Berpflich­­uzogern. Dies Warten mußte Nikolaus die Borftellung "ußland nicht „mittun” : Kräfte tätig jeien, die n, in das Sonzert der x Mächte einen fchrillen Mißflang hineinzu­­tragen und offenbar hält er diefe Kräfte für wertvoll genup, fi auf fie zu ftüßen, wenn er fich zu dem offiziell Tundgetanen Willen der Regierung ded Zaren in Gegenfaß ftellt. Daß er dies aber tut, dies wiederum hat mehrfache Gründe. Da ift vor allem die Eiferfucht gegenüber den Bundesgenojjen, die alle ruhmgefrönt und mit reichem Landerwerb heimfehren werden: Serbien hat Uesfüb, Griechenland Sanina, Bulgarien endlich das fo heif­­umftrittene und erfehnte Aodrianopel ge: monnen.. Nur Miontenegro verblutet an den Wällen von Sfutari. Nicht weniger al3 22,000 Mann follen die Söhne der Schwarzen Berge an Toten und Ber: mundeten bereit verloren haben — für dı18 bevölferungsarme Land eine entjeß­­liche Kataftrophe. Und der König muß fücchten, daß das tollfühne Unternehmen, in das er fich in jener verbiendeten Selbft­­überichäßung eingelajjen, daS auch jeßt feine Handlungen diftiert, ihm, vielleicht der ganzen Dynajtie zum Ruin werden fann. Darum wagt er das fchier. frenel- Sfutari neuerlich zu beichießen. Ueber die aller Cthif bare Sfrupel­­lofigfeit diefes Norgehens kann eine Ber: chiedenheit der Anfchauungen nicht be: ftehen — und doc braudt man die Mirkung nicht allzu peffimiftiich zu be: urteilen. Das Strafmandat mird zur Ausführung gelangen — damit dürfte wohl nad) menfchlicher DBorausficht vie Angelegenheit ihre Grledigung finden. England hat durch den Mund Sir Edward Grey3 gefprochen und feinen Zweifel daran auffommen lafjen, daß er den Standpunft Defterreiihs, Staliens und Deutfchlands völlig teilt ; Die Sprache der führenden englifchen Blätter ift eine höchit deutliche Abfage an Rußland, wenn Diefes es fich einfallen lafjen wollte, panflaviftiiche Bel­­leitäten zu unterftügen. Die Crfenntnis hievon ift in Serbien mwenigftens tetlmeije durchgedrungen, wo die Sournale meh: mütig über Nußlands „Verrat an der Hlavifchen Sache” Hagen. - - Montenegro mill eine furdhtbare Schuld auf fi) laden, die Hüter der Menfchlichkeit, die Wahrer der Nechte Europas, fie werden, wenn nötig, ihre Pflicht gegen das uropa höhnende Montenegro erfüllen. tingere Errungenschaften und Erfolge Hinzus weilen. Die Schaffung des Wehrgejeges und die Niederringung der Obftruftion find Erfolge von epochaler Bedeutung. Die Zerfahrenheit unferer Wehrmacht — die beffagen@wertefte Frucht der Objftruftion — hatte die mit ung nicht im Bunde&verhält­­nifje ftehenden Mächte immer fühner und fühner gemacht, und in gar manchem unange= nehmen Auftreten mußten wir da3 Ginfen unfere& Anfehens jchmerzlich empfinden. Diejen Herabgleiten auf der fchiefen Ebene hat die gewaltijame Beendigung der im Gumpfe der Dbjtruftion erftidenden Wehrgefetdebatte, die im Bufammenhange mit einer Verlegung der Geihäftsordnung erfolgte Annahme der Vorlage jeitens ber überwiegenden Mehrh:it Einhalt geboten. Wie auf einen Bauberfchlag fchuf fofort auch Defterreich da Wehrgefeb, und auch die Sroßmachtftellune der Monarchie Hatte ihr früheres ungejchmälertes Anjehen zurüderobert zu einer Zeit, in welcher fie deflen gerade am dringendften bedurfte, am Vorabend des Balkan frieges. Unfere Verbündeten, deren unfere Sreundfchaft bereit3 von zweifelhaften Werte zu fein fchien, beeilten fich), da® Bimdnis mit und zu erneuern, während die entgegengejebten SInterefien verfolgenden Entente-Mächte jedes Wort, jedes Auftreten der Monarchie fortan mit demjenigen Nefpeft Honorierten, welcher einer ihrer Kraft bermugten Großmacht zufommt. Hätten mir ber Berfahrenheit unjerer Wehr­­macht nicht in zwölfter Stunde ein Ende ge­­macht, wir feufzten vielleicht jebt Schon über die Schrecniffe des über uns hereingebrochenen Krieges! Die Niederringung der Objtruftion aber, fowie die im Wege der abgeänderten Gefchäfte­­ordnung erworbene Sicherheit, daß die Objtruf­­tion al® Syjtem niemals wieder in unfer Par­­lament einziehen wird, haben für unfer vers faflungsmäßiges Leben geradezu die Bedeutung der Lebenzrettung. Anderthelb Jahrzehnte Hins durch wand fi) unfer politifches öffentliches Leben unter der würgenden Fauft der Obftruf­­tion. Die furchtbaren materiellen und moralifchen Bermwüftungen, welche die Dbjtruftion ange» richtet, würden Bände füllen! Hätte nicht die mohlüberlegte, ftahlharte Entjchlofjenheit des Chefs der Regierung, die Unerfchrodenheit des probidentiellen Mannes auf dem Präfidenten­­ftuhle des Abgeordnetenhaufes und die lobeng­­werte Ausdauer der Nationalen Arbeit2partei die Obftruftion nicht niedergerungen; der Be­­obadjter der Ereignifje Hätte heute nur noch darüber nachzudenten, obwohl dag Scidjal Polens oder das der Türkei daS LoS des Ungartums fein wird? hofte Hafardipiel, ’-« : ..».’·-.-.«--,-. .-".-,­­w Be Zi Be m Bar re N a RG la .gsdzxsvxscst.:«-ss-ii««AMUCWHMs-s«I.-;WM·s»ki.ppx.k«xw-MJ.MM«»»· Erfolge und Biele. Bom Neichdtaggabgeordneten Geurg Lufäcg, Geh. Nat, kun. ung. Unterrichtminifter a. D. IH. Aber auch die zweite Regierung der Na: tionalen Arbeitäpartei vermag auf nicht ges Kokal-Beiting. Bon unferem Privatverfdönerungs- Berein. Der Verfihönerunge: Verein, der wie faunt eine zweite Körperfchaft eine jo außerordentlich gemeinnüßige, ja wahrhaft fegenbringende Tätigkeit entfaltet, bielt Sonntag im Hotel PBannonia feine Generalverfammlung. Diefelbe eröffnete der verdienftuolle Bräfident pen]. Bizebürgermeifter Dr. Franz Brink, von dem der Oberftadthauptmann Dr. Heimler, der äußerft agile BVizepräfident jehr treffend bemerkte, dab faum. ein zweiter Bürger hier eriftiert, dev mit fo viel Liebe an feiner Vater: ftadt hängt.

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