Literarische Berichte aus Ungarn 1. (Budapest, 1877)

2. szám - II. Koloman Szily: Unsere Thätigkeit auf dem Gebiete der Naturwissenschaften im letzten Jahrzehnt

196 UNSERE THATIGKEIT AUF DEM GEBIETE DER UNSERE THATIGKEIT AUF DEM GEBIETE DER NATURWISSENSCHAFTEN IM LETZTEN JAHR­ZEHNT. «Gleichmässige Würdigung aller Tlieile des Naturstudiums — sagt Humboldt in seinem «Kosmos» (Bd. L, 1845. pag. 35-36) — ist vorzüglich ein Bedürfniss der gegenwärtigen Zeit, in welcher der materielle Reiclithum und der wachsende Wohlstand der Nationen auf eine sorgfältige Benützung von Naturproducten und Natur­kräften gegründet sind . . . Diejenigen Völker, welche an allge­meiner industrieller Thätigkeit, in der Anwendung der Mechanik und technischen Chemie, in sorgfältiger Auswahl und Bearbeitung natürlicher Stoffe zurückstehen, bei denen die Achtung einer solchen Thätigkeit nicht alle Classen durchdringt, werden unaus­bleiblich von ihrem Wohlstände herabsinken. Sie werden es um so mehr, wenn benachbarte Staaten, in denen Wissenschaft und industrielle Künste in regem Wechselverkehr mit einander stehen, wie in erneuerter Jugendkraft vorwärts schreiten.» Für uns Ungarn, die wir einerseits mit dem gebildeten Westen, andererseits mit dem auf einer niedrigeren Culturstufe befindlichen Orient in Berührung stehen, ist es unzweifelhaft eine hochwichtige Frage — man kann sagen, eine Lebensfrage — ob auch wir in der Pflege und Verbreitung der Naturwissenschaften Fortschritte machen ? ob die grosse geistige Entfernung, welche uns so viele Jahrhunderte hindurch von unseren westlichen Nach­barn getrennt hat, stetig abnehme und in welchem Masse dies geschehe ? Denn dass wir zurückgeblieben, dass wir sehr weit zurückgeblieben waren und dass wir auch heute noch zurück sind, kann nicht in Abrede gestellt werden.

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