Der Spiegel, 1844. január-december (17. évfolyam, 1-104. szám)

1844-12-11 / 99. szám

700 ptt Ppitftí 1,44. Theater - u. Mustk-Zeitrmg. Wien. Ach, eS ist eine trost-, eine heillose Zeit! Die Zeit deS Durchfalls. Fünf Mal im Laufe weniger Tage besuchte ich die Theater u. waS bot sich mir? Allerorts ein mehr oder min­der sanftes Fiasko. Zuerst - Satansstreiche", dann -Satan in Paris", hierauf -Dolch und Rose", jezt -Robinhall, oder die Schwestern"*), schlüßlich -Ring und MaSke." Nun ist wieder Ruhe im Vaterland. — -Ring und MaSke", Oper von Prechtler u. Proch, von einem Theilt deS Publikums lebhaft beklatscht, und schon von vorneherein jubelnd begrüßt, hat eine wirksame, hübsch gearbeitete Ouvertüre, anziehende Soli u. ein Paar rauschende dankbare Ensemblestüke. Sie bewegt sich jedoch zu sehr auf dem Felde der Allgemeinheit und der Effekthascherei, und ist darum jeder tieferen Nachwirkung bar. Die Arien, die Meister Proch sonst so anziehend zu komponiren versteht, entbehren alles Reizes u. veS Funkens, den vie Genialität' auS kahlen Felsen schlägt. Die Ausführung derselben ist schwierig, ohne für die Vortragenden dankbar zu sein, die Nachwirkung in dem Ohre deS Hö­rers , eine stumme, und daS Libretto? Precht­­ler, warum hast du mir das gethan! Die Oper ist romantisch und komisch benannt. Romantisch ist darin nur der glizernde Mond, und komisch in eigener Art Saceraldine, die Zofe Diolan­­tas. Die Aufnahme der Oper war am Schluffe eine kühle, und dürfte schwerlich die Jndie­­szenesezung durch vielfache Vorstellungen be­­lobnen. T. v.G. * Dem Vernehmen nach, beabstchtigt Herr Gämmerlcr, vom Theater an der Wien zu Wien eine DeklamationS-Schule zu errichten. * Das schone Peristyl des neuen Opern­hauses in Berlin ist jezt enthüllt, u. das Bas­relief des Frontons, von Ritschel (einem Schü­ler Rauch's), erscheint nun ganz in seiner pla­stischen Vollendung. Meyerbeer hält täglich Proben seiner neuen Oper, die am Eröffnungs­tage (7. Dezember) aufgeführt wird. * 3n Braunschweig sind fünf neue deutsche Opern nach einander aufgeführt worden: -Schloß Candra" von Wolfram, -Mara" von Nezer, -Piano di Porta" von Müller, -die Stellver­­tretet" von Wernthal und -Maria DoloreS" von Köhler. * Die Oper in Hannover ist, wie dem Mor­genblatt geschrieben wird, so tief gesunken , daß *) Ist »ach der zweiten Aufführung int Thea­ter an der Wien vom Repertoir verschwun­den , und die umsichtige, diffizile Dresdener Hoftheaterivtendanz soll das Stük angenom­men haben? Möglich, die Direktionen haben oft seltsame Liebhabereien, aber wahrschein» lich ist eö nicht. Marschner Anstand nimmt, ihr daS Schiksal seines »Adolph von Nassau" anzuvertrauen und der Komponist deshalb seine neue Oper zuerst in Leipzig aufführen lassen will. Kinderballette und optische Nebrlbilder — sehr bezeichnend für Hannover — floriren auf der Hofbühne. * Den russischen General Lvoff hat die Auf­führung seiner Oper in Dresden 4 bis 5000 Thlr. gekostet. Und doch durchgefallen? Das ist bitter. * In Magdeburg wird es auffallend gefunden, daß die Damen im Parquet bei der Aufführung der Oper »Zampa" gestrikt haben. In Königs­berg firiken die Damen im Sperrsiz sowohl wäh­rend der Vorstellung deS »Zampa" als bei Auf­führung Schillerscher Stüke. »Ehret die Frauen, ste striken und weben oc." Mignon - Zeitung. Berlin. An Taschendieben fehlt eS bekannt­lich in Berlin nicht, und außer diesen gibt eS noch eine Menge anderer Splzbuben-Arten, die ihr Handwerk in verschiedener Weise treiben, und die sämmtlich eine außerordentliche Gefchik­­lichkeit besizen. Indeß hat sich nun eine ganz neue Art eingestellt, nämlich Freunde der schönen Li­teratur, die einen besonderen Hang dazu haben, sich in den Best; klassischer Werke zu fejen, um fie entweder selbst zu studiren ober geistesverwand­ten Damen zum Geschenk zu machen. Diese li­terarischen Spizbuben treiben ihr Handwerk bei hellem Tage und zwar in Gemeinschaft und in ganz nobler Weise, wie dies aus nachstehender Anzeige in der Berlinischen Zeitung vom 23. November ersichtlich ist. Die Anzeige, welche dieUeberschrist trägt: -Literaturfreunde ohneZah­­lung," ist vom 21. Novbr. datirt und lautet also: -Heute Morgen kam in eine hiesige Buchhand­lung ein wohlgekleideter Herr, verlangte Bul­­wer'S -Pilger am Rhein" mit Stahlstichen, ließ sich dann mehrere illustrirte Werke zur Ansicht vorlegen, fand aber nichts nach Wunsch; — in demselben Augenblik kamen zwei andere Her­ren , die den jungen Mann im Gewölbe nach verschiedenen Werken zu Geschenken für Damen befragten und zu beschäftigen suchten, fanden aber ebenfalls Nichts.— Die Herren empfahlen sich, zuerst die beiden zugleich Eingetretenen, dann der Dritte— und mit einem von den Dreien Herders Cid, illustrirte Ausgabe, in blauen Prachtband gebunden. Indem der Dame beim Empfange dieses gewiß billigen Geschenks recht viel Vergnügen gewünscht wird, werven aber auch alle Antiquare und Bücherhändler aufge­­forverk, wenn ihnen ein Exemplar Herders Civ, blau gebunden, angeboten wird, den Bestzer an* zuhalten und der Expedition dieses Blattes an* zuzeiten." — Haben Hr. Theodor Mundt und

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